Nürnberger Nachrichten 24.7.2002


Pleitewelle rollt

In Bayern sprunghafter Anstieg

Bis März 28% mehr lnsolvenzfälle - Stellenabbau hält an

MÜNCHEN (nn/dpa) - Die Pleiten in der bayerischen Wirtschaft sind im ersten Quartal sprunghaft angestiegen. Mit 1236 Firmen mussten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum knapp 28% mehr Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Noch mehr erhöht hat sich der finanzielle Schaden, der von Gläubigern geltend gemacht wurde. Die Forderungssumme lag bei 1,4 Mrd. € und damit 37,3% über der des Vorjahres. Von den Firmenpleiten waren knapp 10 500 Arbeitnehmer betroffen, wobei vor allem Unterfranken mit knapp einem Drittel der erfassten Beschäftigten herausragt.

Für Schlagzeilen hatten in den vergangenen Monaten vor allem die Insolvenzen bei der KirchGruppe, Fairchild Dornier und Schneider gesorgt. Neben diesen großen Unternehmen waren aber auch unzählige kleine Unternehmen von der Insolvenz betroffen.

Dienstleister betroffen

Die meisten Insolvenzen gab es zwischen Januar und März mit 496 erneut in der Dienstleistungsbranche. Mit 253 Insolvenzen folgte das Baugewerbe. Im Einzelhandel erhöhte sich die Zahl der Pleiten um 17% auf 88. Und Besserung ist nicht in Sicht. In der bayerischen Wirtschaft steht nach Einschätzung der Unternehmen in den kommenden Monaten ein weiterer Stellenabbau bevor. Für neue Arbeitsplätze sei ein Wirtschaftswachstum von mindestens 2% nötig, sagte der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Randolf Rodenstoc: "Ein solches Wachstum ist für dieses Jahr ein utopisches Ziel." Bereits im ersten Quartal sei die Beschäftigung in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie um 0,8% gesunken. Die IG Metall Bayern hatte am Wochenende berichtet, inzwischen seien in diesem Wirtschaftszweig sogar mehr als 13 500 Stellen weggefallen. Mit einem saisonbereinigten Wirtschaftswachstum von 0,2% im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal könne kaum von einem Aufschwung, sondern allenfalls von einer Stagnation gesprochen werden, sagte Rodenstock.


Empfang Stand: 24.07.2002 © Nürnberger Nachrichten