Antisemitismus in Deutschland

Antisemitismus ist der schreckliche, sich wie ein Computerwurm immer neu regenerierende Aberglaube, Juden seien aus religiösen, kulturellen oder biologischen Gründen eine niederwertige, schädliche Menschenart. Er hat eine lange, entsetzliche Tradition im christlichen Abendland. Um nicht zu vergessen, was sich schnell und leicht vergisst, blättere man immer wieder in:

F. Heer (1967): Gottes erste Liebe. Die Juden im Spannungsfeld der Geschichte. Ullstein Sachbuch

R. Hirsch, R. Schuder (1999): Der gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte. Papyrossa Köln

Ein ziemlich klarer Fall von Antisemitismus wäre etwa zu behaupten, Ariel Sharon sei ein typischer Jude. Vielleicht beginnt Antisemitismus überhaupt schon da, wo "der Jude" als besondere Menschenart gilt? Und endet, wo man dies nicht gelten lässt? Und ihm z.B. Lob und Tadel so zumisst wie jeder anderen Menschensorte auf der Welt?

Solange man hier irgendwelche Ausnahmen macht, und sei es aus den best gemeinten Motiven heraus und im Blick auf die best fundierte historische Schuld, hält man eine nachhaltige Einfallspforte für den Antisemitismus offen. Und unser mit Fug und Recht schlechtes deutsches Gewissen bietet uns hier keinerlei Ausrede. Wir Deutsche - wir hierin verallgemeinerbar typisch Deutschen - neigen dazu, sogar ein SCHLECHTES Gewissen als ein brauchbares Ruhekissen zu betrachten.

Vielleicht sollten wir ALLE der beschissen unbequemen Frage nicht ausweichen: Sollen wir uns vor dem Hass gegen Juden sicher fühlen oder sollen wir es sein? Diese beiden durchaus erstrebenswerten Ziele scheinen mitunter in einen kurzfristigen Konflikt zu geraten - ein weiteres Beispiel für den möglichen Gegensatz zwischen "gut" und "gut gemeint".

Nota bene: "Jüdisch" ist ein Glaubensbekenntnis. Bis zu meinem Kirchenaustritt war ich "evangelisch", jetzt bin ich "heidnisch". Ich kenn eine, die dem jüdischen Glauben beitrat; die kann man dann "Jüdin" nennen, wenn man genau das meinen will: Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Tradition.

Wozu brauchts einen umfassenderen Begriff vom "Juden"? Eigentlich nur zum Antisemitismus.

Und der Nahost-Konflikt? Manchmal sind yesterdays papers durchaus von heute. Die nachdenkliche Diagnose eines israelischen Psychologen zum Nahost-Konflikt, garantiert unabhängig von Wahlgefuchtel und aktuellen Massakern: Paranoia und Größenwahn in Israel.


Empfang Stand: 06.08.2002 © Werner Schneider